Tauchtauglichkeit

Tauchen bedeutet eine neue Welt unter Wasser kennenzuler- nen. Tauchen bedeutet aber auch, dass man sich in eine Umgebung begibt, in der andere physikalische Gesetze herr- schen, an die sich unser Körper anpassen muss. Daher muss jeder Taucher über eine gewisse Fitness und Gesundheit verfü- gen.

Da viele Tauchunfälle medizinische Ursachen haben, empfehlen wir jedem Taucher, sich regelmäßig ärztlich untersuchen zu las- sen. Dies findet im Rahmen einer Tauchtauglichkeitsunter- suchung statt, die von einem speziell in Tauchmedizin ausgebil- deten Arzt durchgeführt wird. Diese Ausbildung erfolgt über die Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin (GTÜM e. V., www.gtuem.org).

Bevor die Untersuchung beginnt füllt jeder Taucher zunächst einen ausführlichen Fragebogen aus. Hierin wird abgefragt, ob Erkrankungen vorliegen, Medikament eingenommen werden oder schon Operationen durchgeführt wurden. Natürlich sind auch Fragen zur bisherigen Taucherfahrung und Tauchzwi- schenfällen zu beantworten.

Im Anschluss erfolgt ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt, bei dem insbesondere gesundheitliche Auffälligkeiten näher erläutert werden. Wenn Erkrankungen bekannt sind, es sehr wichtig die aktuellen Befunde und / oder Arztberichte vom Facharzt mitzubringen. Gab es bei einigen Erkrankungen früher ein striktes Tauchverbot, so ist es heutzutage unter bestimmten Bedingungen möglich auch mit chronischen Erkrankungen wie einer Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) oder Bluthochdruck zu tauchen. Eine gute Einstellung mit den richtigen (tauchver- träglichen) Medikamenten, regelmäßige Kontrolluntersuchun- gen und ein verantwortungsvoller Umgang mit der Erkrankung sind hierbei besonders wichtig.

Danach führt der Arzt eine körperliche Untersuchung von Kopf bis Fuß durch. Hierbei werden u.a. Augen, Lunge, Reflexe und Gleichgewicht geprüft. Ganz wichtig ist die Untersuchung der Ohren, damit der Druckausgleich gut gelingen kann.

In einem EKG wird die Herztätigkeit geprüft wird. Taucher über 40 Jahre erhalten zusätzlich ein Belastungs-EKG, also eine EKG- Untersuchung auf dem Fahrrad, wobei die Tretbelastung immer weiter gesteigert wird. Hierbei wird getestet, ob das Herz auch bei körperlicher Anstrengung gut funktioniert, da eine gewisse

körperliche Fitness beim Tauchen wichtig ist. Unter Wasser hat das Herz-Kreislaufsystem allein schon durch den veränderten Umgebungsdruck mehr zu leisten, zusätzlich kann z. B. eine Strömung den Tauchgang anstrengender machen. Nicht umsonst spricht man von Tauchsport!

Sehr wichtig bei der Tauchtauglichkeitsuntersuchung ist die sogenannte Lungenfunktionsprüfung oder einfach nur Lufu genannt. Hierbei wird mit aller Kraft in das Prüfgerät geatmet, so dass u. a. gemessen werden kann, wie schnell die Luft aus der Lunge strömt. Anhand der Messwerte kann eine für das Tauchen relevante Lungenerkrankung ausgeschlossen werden.

Eine gesunde Lunge ist für den Taucher sehr wichtig, da hier das Gesetz von Boyle-Mariotte zu tragen kommt, was ihr viel- leicht noch aus dem Tauchkurs kennt. Wenn wir in die Tiefe abtauchen, verkleinert sich unser Lungenvolumen. Wenn wir wieder auftauchen dehnt sich die Luft in der Lunge wieder aus und muss über unsere Atemwege abgeatmet werden. Das geht problemlos solange keine Engstellen in den Atemwegen vorlie- gen, wie sie z. B. bei einer chronischen Lungenerkrankung (COPD) oder auch nach langjährigem Rauchen auftreten kön- nen.

Sollten sich bei den Untersuchungen Auffälligkeiten ergeben, kann es notwendig sein, weitere Untersuchungen zu machen oder eine Vorstellung beim Facharzt einzuleiten bevor getaucht werden darf.

Die Tauchtauglichkeitsuntersuchung sollte regelmäßig wieder- holt werden und ist vom Lebensalter abhängig. Unter 18 Jah- ren und über 40 Jahren erfolgt diese jährlich. Ansonsten ist eine dreijährige Untersuchung ausreichend.

Bei bestimmten Erkrankungen kann es sein, dass zur Sicherheit das Untersuchungsintervall kürzer gewählt werden muss. Manchmal ist Tauchen nur mit Einschränkungen möglich, was auch auf dem Zertifikat vermerkt wird. Bei einer körperlichen Beeinträchtigung kann es z. B. sein, dass besondere Anforde- rungen an die Tauchausbildung, den Buddy oder auch die Aus- rüstung gestellt werden müssen.

Bei neu aufgetretenen Erkrankungen, Einnahme von neuen Medikamenten oder Operationen ist ebenfalls erneut zu klä- ren, ob weiterhin getaucht werden kann. Wichtig ist dies z. B. bei einer Urlaubsreise in die Tropen wenn eine Malariaprophy- laxe eingenommen werden muss.

Wir raten jedem Taucher die Tauchtauglichkeitsuntersuchung regelmäßig durchführen zu lassen, um sicherer Tauchen zu können.

In Deutschland übernehmen einige gesetzliche Krankenkassen einen Teil der Kosten für eine TTU oder auch die Gesamtkos- ten. Bitte informiert euch vorab bei eurer Krankenkasse, ob und in welche Höhe diese übernommen werden. Wichtig dabei ist, dass auf der Rechnung die Diagnose „Sporttauchärzt- liche Untersuchung“ vermerkt ist.

Version 12/2018

 

Tauchtauglichkeitsuntersuchung

aqua med • eine Marke der Medical Helpline Worldwide GmbH • www.aqua-med.eu